Warum wir immer wieder am Montag neu anfangen

„Am Montag fange ich an.“ Diesen Satz haben wir wahrscheinlich alle schon einmal gesagt. Doch warum warten wir so oft auf den perfekten Zeitpunkt, anstatt einfach heute weiterzumachen? In diesem Beitrag geht es darum, weshalb wir immer wieder von vorne beginnen wollen - und warum nachhaltige Veränderungen meist ganz anders entstehen.

Svetlana

6/28/20262 min lesen

„Am Montag fange ich an.“

Kaum ein Satz ist so eng mit gesunder Ernährung und dem Wunsch nach Veränderung verbunden wie dieser. Nach einem genussvollen Wochenende, einem Restaurantbesuch oder einem Tag, an dem wir mehr gegessen haben als geplant, scheint der Montag plötzlich der ideale Zeitpunkt zu sein, um alles wieder richtig zu machen.

Dabei stellt sich eine interessante Frage: Warum warten wir eigentlich?

Wenn unser Ziel ein gesünderer Lebensstil ist, warum beginnen wir nicht mit der nächsten Mahlzeit? Warum nicht heute Abend einen Spaziergang machen oder morgen früh ein ausgewogenes Frühstück essen? Weshalb braucht es ausgerechnet einen Montag?

Oft glauben wir, es fehle uns an Disziplin oder Motivation. Ich glaube jedoch, dass etwas anderes dahintersteckt. Über viele Jahre haben wir gelernt, Gesundheit und Ernährung in Kategorien einzuteilen. Wir waren „brav“ oder „nicht brav“, „auf Kurs“ oder „gescheitert“. Solange alles nach Plan lief, hatten wir das Gefühl, erfolgreich zu sein. Doch sobald das Leben dazwischenkam – ein Abendessen mit Freunden, ein Stück Geburtstagskuchen oder ein stressiger Arbeitstag –, fühlte es sich an, als hätten wir versagt.

Genau in diesem Moment wird der Montag so verlockend. Er vermittelt uns das Gefühl eines Neuanfangs. Als könnten wir alles, was in den Tagen davor passiert ist, einfach hinter uns lassen und mit neuer Motivation von vorne beginnen.

Das Problem ist nur: Das Leben funktioniert selten nach Plan.

Es wird immer Geburtstage geben, Einladungen, Urlaube, hektische Wochen oder Tage, an denen Kochen einfach nicht möglich ist. Wenn gesunde Gewohnheiten nur dann funktionieren, wenn alles perfekt läuft, sind sie kaum alltagstauglich.

Menschen, die langfristig ein entspanntes Verhältnis zum Essen entwickeln, denken deshalb oft gar nicht mehr in Neuanfängen. Sie machen einfach weiter. Nach einem üppigen Abendessen folgt keine Strafe und kein kompletter Neustart. Die nächste Mahlzeit ist einfach wieder eine ganz normale Mahlzeit. Ohne Schuldgefühle. Ohne das Bedürfnis, etwas „wiedergutzumachen“.

Unser Körper bewertet schließlich nicht einzelne Tage, sondern das, was wir über Wochen, Monate und Jahre hinweg immer wieder tun. Eine Mahlzeit entscheidet nicht über unsere Gesundheit – genauso wenig wie ein Training über unsere Fitness entscheidet.

Vielleicht lohnt es sich deshalb, den Satz „Am Montag fange ich an“ beim nächsten Mal durch einen anderen zu ersetzen:

„Ich muss nicht neu anfangen. Ich kann einfach weitermachen.“

Denn nachhaltige Veränderungen beginnen selten an einem Montag. Meist entstehen sie an einem ganz gewöhnlichen Dienstag oder Mittwoch – in dem Moment, in dem wir aufhören, nach dem perfekten Zeitpunkt zu suchen, und stattdessen die nächste kleine Entscheidung treffen.

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